Moritz von Sachsen

1521 - 1553

Herzog und Kurfürst von Sachsen (Linie Albertiner)

Moritz war der erstgeborene Sohn Heinrichs des Frommen in dessen Freiberger Ländchen und Katharina, einer Prinzessin von Mecklenburg. Er wuchs in den engen Verhältnissen des väterlichen Hauses mit nur dürftigem Unterricht auf. In seiner Jugend pendelte er zwischen dem Dresdner Hof des katholischen Onkels und dem des protestantischen Kursachsens. Dem folgte, dass er in die Streitigkeiten unter den sächsischen Verwandten früh Einblick erhielt.
Der Dresdener Hof verhieß ihm zukunftsfrohe Hoffnung, da Georgs Familie dahinstarb und er selbst als Erbe des Vaters dahingehend liebäugelte. Dabei folgte er aber dem Luthertum, zu welchem sich der Vater 1536 bekannt hatte. Andererseits blieb die katholische Haltung Georgs nicht ohne Eindruck auf seinen ehrgeizigen Sinn.
Jedenfalls lebte sich Moritz schon früh in jene Gegensätze ein. Mit dem Tod Onkel Georgs 1539 vereinigte Moritzens Vater die albertinischen Länder wieder. Die Verhältnisse der herzoglich-sächsischen Regierung gerieten in des Vaters kraftloser Hand jedoch in völlige Verwirrung.
Mittels Moritzens rascher Eheschließung mit Agnes von Hessen im Jahr 1541 hebelte er die Ambitionen der ehrgeizigen Mutter hinsichtlich Dresdens aus. Gelassen nahm er sein Zerwürfnis mit ihr in Kauf, denn nun lag seinem Regierungsantritt als zwanzigjährigem Herzog von Sachsen nichts mehr im Wege.
Hochaufgeschossen und voller Leidenschaft, mit scharfblitzendem Auge, als Reiter, Jäger und Trinker beschritt er seinen Lebensweg. Weiterhin gehörte der Protestantismus zu seiner Regierung, obwohl er keine religiösen Neigungen verspürte. Er gehörte der jüngeren Generation protestantischer Fürsten an, die der politischen Seite der reformatorischen Bewegung ihre Sinne öffneten und nach diesen Motiven ihre Schritte setzten.
Moritz galt es vor allem, vorwärts zu kommen und an politischer Macht und fürstlichem Besitz hinzuzugewinnen. Selbständig und eigenwillig, rücksichtslos und energisch traf er seine Entscheidungen mit kühnem Handgriff und kühler Berechnung.

Zweifelsfrei stand in der Wurzener Fehde von 1542, die der ernestinische Johann Friedrich I. vom Zaun gebrochen hatte, das Recht auf der Seite von Moritz. Trotzdem erklärten sich die protestantischen Führer für Johann Friedrich. Ganz besonders Luther ließ seinem alten Hass freien Lauf, der in Moritz tiefe Verbitterung hinterließ. So war er einmal mehr offen für Habsburgs Lockungen, die ihn in die Dienste des Kaisers, und seinen kleinen Bruder August an König Ferdinands Hof brachten. Dabei hielt er sich über Jahre mit großer Nüchternheit und Selbstbeherrschung den politischen Spielraum in beide Richtungen offen:
Habsburg versprach Ehre und Macht, die protestantische Seite hingegen Schutz für sein evangelisches Sachsen.

Sein Doppelspiel endete mit der verräterischen Gefangennahme seines Schwiegervaters Philipp von Hessen im Jahr 1547. Von nun an gab es für ihn kein anderes Ziel, als Karl V. in seinem, den deutschen Fürstenstaat entwürdigenden Machtspiel Einhalt zu gebieten. Dies gelang nach mehreren Jahren mit
dem militärisch erkämpften Passauer Vertrag von 1552.

Sein früher, beklagenswerter Tod schon ein Jahr später, als er in der Schlacht bei Sievershausen gegen seinen früheren Bundesgenossen Albrecht Achilles von Brandenburg-Kulmbach sein Leben verlor, änderte dennoch nichts daran, dass das in seinem Kampf gegen Karl V. Erreichte unumkehrbar blieb.

Mit seinem energischen Einschreiten gegen des Kaisers intoleranter, absolutistischer Politik bereitete Moritz den Ausgleich in der Religions- aber auch in der Verfassungsfrage vor. Er ebnete damit den Weg, auf dem sich die deutschen Fürstentümer zu frühmodernen Staaten innerhalb des Reiches entwicklen konnten.

Entnommen: Caroline Sesta, GOLDFADENLUG Vom Licht der deutschen Renaissance, Personenverzeichnis A-Z, Seite 551-552 ; Mit Erlaubnis des Spurbuchverlags Baunach – www.spurbuch.de